Rübenzuckerfabrik für Al Sharkiya Sugar Manufacturing S.A.E.

Neues Leuchtturmprojekt in Nordafrika

Seit über 30 Jahren werden in Ägypten Rüben zur Zuckergewinnung angebaut. Seit Anfang der 1990er Jahre beteiligte sich BMA maßgeblich an der Planung und Lieferung von Ausrüstungen für mehrere Zuckerfabriken im Norden Ägyptens. Nun steht ein neues Großprojekt in der Region an.

Aushub der 10 Meter tiefen Baugrube
Aushub der 10 Meter tiefen Baugrube

Rübenzuckerindustrie in Nordafrika

Nicht nur die schweren, nährstoffreichen Lössböden in den gemäßigten Breiten sind bestens für einen ertragreichen Rübenanbau geeignet, sondern auch die Böden im Nil-Delta. Für Ägypten ist der Rübenanbau deshalb heute eine wichtige Säule in der Eigenversorgung mit Zucker. Dort erfolgt der Anbau allerdings in den Wintermonaten, um die Sommerhitze zu meiden. Demzufolge ist im Februar dann Erntebeginn. Dann startet auch die Kampagne der zumeist staatlichen Verarbeitungsbetriebe.

Rechts: Rübenanbau im Nildelta
Rechts: Rübenanbau im Nildelta

Anfangs haben die Fabriken nicht selten mit unreifen Rüben zu kämpfen. Die Feldfrüchte sind zunächst sehr hart und brüchig. Je mehr Zeit zwischen dem optimalen Erntezeitraum im März und der tatsächlichen Verarbeitung der Rüben vergeht, desto mehr Flüssigkeit verlieren die Rüben. Dadurch steigen der Zucker- und der Markgehalt, wogegen die Reinheit des extrahierten Rohsaftes sinkt.

Auf diese schwankende Rohstoffqualität muss eine Fabrik flexibel reagieren. Zudem erfolgt die Rübenzulieferung keinesfalls kontinuierlich, denn feste Lieferverträge mit den Rübenbauern gibt es kaum. Setzt Ende Februar der Regen ein, versinken die Felder in einem feinen Schlamm. Das erschwert die Ernte und führt nicht selten zu weiteren Lieferverzögerungen.

In der Höhe begrenzt

Die schwankende Rohstoffzufuhr hatte Al Nouran Sugar Company (Al Sharkiya Sugar Manufacturing S.A.E. (ASSM)) fest im Blick, als sie ein neues Leuchtturmprojekt in der arabischen Zuckerindustrie ins Leben rief. Östlich des Nil-Deltas entsteht zurzeit eine hochmoderne Rübenzuckerfabrik mit einer täglichen Verarbeitungsleistung von nominal 12.000 Tonnen Rüben. Zusätzliche Anlagen zur Rohzuckerverarbeitung sollen den Zuckerausstoß in Zeiten nachlassender Rübenzufuhr sichern. Anfang 2017 soll die Gesamtanlage in Betrieb gehen.

Das Bauvorhaben ist gekennzeichnet durch zahlreiche technisch komplexe Anforderungen, die sich von anderen anspruchsvollen Großprojekten insbesondere hinsichtlich der Prozesseffizienz deutlich abheben. Deshalb hat ASSM BMA als Schlüssellieferant für die Lieferung umfangreicher Planungsleistungen, Ausrüstungen und Inbetriebnahmen im Hauptprozess ausgewählt. Auch die örtlichen Bauauflagen stellen viele Projektbeteiligte vor eine große Herausforderung. Denn mehr als 22,5 Meter darf der Fabrikkomplex an keiner Stelle aus dem Boden ragen. Um trotzdem das bewährte Prinzip einer Hochfabrik zu realisieren, wurde das Gelände für die Gebäude und Ausrüstungen des Hauptprozesses kurzerhand um zehn Meter abgesenkt. Dadurch steht für Großkomponenten wie den Extraktionsturm und die Fallfilmverdampfer nun eine Gesamthöhe von bis zu 32,5 Metern zur Verfügung. Ganz ohne weitere Anpassungen in der Dimensionierung und Anordnung der Ausrüstungen lässt sich das Projekt dennoch nicht realisieren. So werden z. B. die unter den diskontinuierlichen Verdampfungskristallisatoren angeordneten Ausfüllmaischen abweichend von der Standardbaureihe eher länglich und mit einem geringeren Durchmesser ausgeführt. Auch die Planung der Förderwege zwischen Zentrifugen und den Trocknungs- und Kühlanlagen gestaltet sich unter diesen Bedingungen anspruchsvoll. Im Vergleich zu anderen Projekten sind die Zentrifugen recht weit unten angeordnet, zusätzliche Vertiefungen für Elevatoren müssen nach Kundenvorgabe unbedingt vermieden werden.

Baustellenstand März 2016

Baustellenstand März 2016
Baustellenstand März 2016

Ein Superlativ im Durchmesser

Mit einer Verarbeitungsleistung von 12.000 Tonnen pro Tag wird der Extraktionsturm der größte in Ägypten betriebene sein. Schon der Markgehalt der Zuckerrüben von bis zu 5,5 % erfordert ein im Vergleich zu Europa größeres Extraktionsvolumen. Unter diesen Rahmenbedingungen hat BMA einen Extraktionsturm entwickelt, der mit 13,60 Metern Durchmesser und 20,43 Metern Extraktionslänge die geforderte Kapazität in nur einer Einheit realisiert – ohne die oben genannte Höhenbegrenzung zu überschreiten.

Konstanz bei schwankenden Randbedingungen

In der Vergangenheit hat BMA bereits mehrere Zuckerfabriken in Ägypten geplant und erfolgreich in Betrieb genommen. Viele davon verarbeiten außerhalb der Rübenkampagne Rohzucker zu Raffinade. Die Besonderheit in diesem Projekt: Die unterjährige Zuckererzeugung im Raffineriebetrieb soll mit 2.000 Tonnen pro Tag höher sein als die Kapazität während der Rübenverarbeitungskampagne. Für den Raffineriebetrieb sind unter anderem Anpassungen im Kristallisationsschema hin zu vier Raffinade- und drei Nachprodukten vorgesehen. Neu kommt hinzu, dass auch ein effizienter „Mischbetrieb“ realisierbar sein soll. In Phasen schlechter Witterungsbedingungen und damit unzureichender Rübenanfuhr kann so zusätzlich Rohzucker verarbeitet werden, um die Produktionskapazitäten der Fabrik konstanter auszulasten.

Ein straffer Terminplan

Mit dem Ziel, Investitionskosten zu sparen, werden viele Sekundärkomponenten der BMA-Ausrüstungen direkt in Ägypten gefertigt. Das Projekt „Al Nouran“ ist schon jetzt eine Erfolgsstory. Geprägt von höchstem technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Sachverstand schreibt BMA ein weiteres Kapitel der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit einem arabischen Zuckerproduzenten. Nach Abschluss der Fertigung erfolgt im zweiten Quartal 2016 die Verschiffung der ersten Komponenten von Braunschweig nach Ägypten. Im dritten Quartal findet von BMA-Richtmeistern überwacht die Montage vor Ort statt. In einer zweistufigen Inbetriebnahme soll bis Februar 2017 zunächst die Rübenanlage in Betrieb genommen werden. Im Herbst darauf ist der Start der Raffineriekampagne geplant.

Thoralf Schulz
BMA AG
engineering@bma-de.com


Dokumentenkorb

Verarbeitung personenbezogener Daten auf der Grundlage der EU-Datenschutzgrundverordnung

BMA Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG verarbeitet personenbezogene Daten auf der Grundlage der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Mit den folgenden Datenschutzhinweisen geben wir einen Überblick über die Verarbeitung dieser personenbezogenen Daten durch uns und die sich aus dem Datenschutzrecht ergebenden Rechte: Datenschutzhinweise.
Die von Ihnen besuchte Webseite verwendet Cookies. Diese dienen der Gewährleistung des Angebots und unterstützen die Analyse des Nutzerverhaltens. Erfahren Sie hier mehr über unsere Datenschutzerklärung.
Um diesen Hinweis zu schließen, klicken Sie hier.