Agrosnabsakhar – die große Überraschung

Wie sich ein scheinbar hoffnungsloses Projekt zur anspruchsvollen Aufgabe entwickelte

Mit den ersten Kontakten zur Zuckerfabrik Agrosnabsakhar konnte bei BMA niemand voraussehen, welche Entwicklung diese Zusammenarbeit später nehmen würde.

Der neue Kunde

Wie bei vielen unserer Kunden begann der erste Kontakt zur Zuckerfabrik Agrosnabsakhar im russischen Elets mit einer Anfrage zur Lieferung neuer Zentrifugen. Das war im Jahr 2010. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme von vier periodischen Zentrifugen B1300 und zwei kontinuierlichen Zentrifugen K2300 im Jahr 2011 erreichten BMA die nächsten Anfragen zu verschiedenen Ausrüstungen erst zwei Jahre später, im August 2013.

Der Betrieb in Elets gehört zu einer Reihe von Fabriken, die in den 1960er Jahren durch deutsche Unternehmen (in diesem Fall die Firma Buckau) in der ehemaligen Sowjetunion errichtet wurden. Als einer von wenigen Betrieben in Europa verfügt er über keine eigene Energieerzeugung für Strom und Dampf, sondern bezieht sowohl Elektro- als auch Wärmeenergie in Form von Dampf aus einem städtischen Kraftwerk. Im Normalfall sind das Bedingungen, unter denen eine Zuckerfabrik im harten Konkurrenzkampf nur wenige Überlebenschancen hat.

Allerdings wurden wir schnell eines Besseren belehrt: Im Jahr 2006 wurde die Fabrik von einer Agrarholding übernommen, die zu den 50 größten Unternehmen Russlands auf diesem Sektor gehört. Mit dem Ehrgeiz und der Geschäftstüchtigkeit der Investoren hatten wir nicht gerechnet.

Mit viel Ehrgeiz in die Zukunft

Während eines der folgenden Besuche erhielten die Mitarbeiter von BMA die Information, dass sowohl die Anlage zur Dampferzeugung als auch die notwendige Turbine in Auftrag gegeben wurden. Die Rekonstruktion und Erweiterung der Anlagen für den Kernprozess konnten in Angriff genommen werden. Angestrebt wird eine Rübenverarbeitung von 8.000 bis 10.000 t/d (aktuell ca. 5.000 t/d).

Ende 2013 und Anfang 2014 wurden wichtige Objekte wie die Extraktionsanlage, Ausrüstungen für die Verdampfstation und Lieferungen und Leistungen für das Zuckerhaus angefragt, angeboten und verhandelt. Dabei wurde BMA Russland in vollem Umfang in die Aktivitäten eingebunden.

Für das Jahr 2014 wurden zunächst im März noch zwei Zentrifugen K3300 für die B-Produkt-Station und ein Melasse Magma-Mischer für das C-Produkt bestellt. Im Mai 2014 konnte dann der Vertrag über die Lieferung einer Extraktionsanlage mit einer Verarbeitungsleistung von 8.000 t Rüben pro Tag (Gegenstrom Schnitzelmaische Ø 6,0 m x 8,0 m, Extraktionsturm Ø 8,9 m x 22,63 m) unterzeichnet werden.

Da für die Investoren eine Minimierung der Investitionskosten ausschlaggebend war, wurde eine lokale Fertigung von Teilkomponenten der Anlage vereinbart. Als Fertigungsbetrieb ist nach mehreren Jahren guter Zusammenarbeit wieder die Fabrik Komsomolez in Tambow vorgesehen. Aufgrund des erheblichen Investitionsvolumens aufseiten des Kunden ist die Inbetriebnahme der Extraktionsanlage planmäßig erst für 2016 vorgesehen.

Ende Juli 2014 wurde ein weiterer Vertrag über die Lieferung von drei kompletten Fallfi lmverdampfern (2 x 3.000 m², 1 x 4.000 m²) mit dem Ziel der Inbetriebnahme 2015 geschlossen. Bemerkenswert war bei diesem Projekt, dass trotz intensiver Bemühungen kein lokaler Fertiger gefunden wurde, welcher Teile der Verdampfer termingerecht und preisgünstiger als die Fertigung bei BMA anbieten konnte.

Im November 2014 wurde nach kurzfristiger Entscheidung vonseiten der Investoren zusätzlich eine komplette Trocknungsanlage für Weißzucker (Leistung 65 t/h) auf Basis einer kombinierten Zuckertrocken- und -kühltrommel (Ø 4,0 m x 13,0 m) zur Inbetriebnahme in der Kampagne 2015 bestellt.

Weiterhin begannen nach verschiedenen Budgetangeboten von BMA (u. a. Zentrifugen und OVC) im November 2014 zwischen den Partnern auch die ersten detaillierten Beratungen zur künftigen Gestaltung des Zuckerhauses.

Unter Berücksichtigung des aktuellen Stands aller Projekte von Agrosnabsakhar sind wir heute der festen Überzeugung, dass sich die Fabrik durch die unternehmerischen Aktivitäten der Investoren, aber auch durch die aktive Beteiligung von BMA zu einem der führenden Betriebe in Russland entwickeln wird.

Harald Veleta
BMA AG
harald.veleta@bma-de.com